Illegale Substanzen und Schwangerschaft

    Auswirkungen von legalen und illegalen Substanzen auf Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Kindesentwicklung

    Bei Frauen, die Drogen nehmen, ist die Schwangerschaft mit besonderen Risiken verbunden. Dies gilt für legale wie auch für illegale Drogen. Das ungeborene Kind ist an den Blutkreislauf der Mutter angeschlossen. Konsumiert eine schwangere Frau Drogen, können diese auf das Kind übergehen. Das Kind kann dadurch schwere z.T. auch lebenslange Schäden davontragen. Es gibt bei den Drogen/ Alkohol/ Medikamenten keine Dosis, die eventuell toleriert werden kann. Bei Opiaten wie Heroin ist dringend zu empfehlen auf ein Substitut umzusteigen.

    Die Risiken des Nikotinkonsums:

    20% der Schwangeren rauchen. Auswirkungen sind fetale Wachstumsverzögerungen, Spontanabort (ungewollter Verlust des Feten vor der 20. Schwangerschaftswoche), Tabakentzugssyndrom und plötzlicher Kindstod. Die Ursache ist wahrscheinlich die erhöhte Kohlenmonoxidbelastung. 30 Zigaretten/pro Tag führen zu einer 60% Reduktion der fetalen Sauerstoffversorgung. Die Kinder wiegen bei der Geburt im Durchschnitt 200gr. weniger. Sie haben auch ein erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung einer Leukämie.

    Die Risiken des Alkoholkonsums:

    Alkohol gelangt über die Nabelschnur rasch in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes, und verbreitet sich im ganzen Körper. In ganz kurzer Zeit haben Mutter und Kind denselben Alkoholspiegel.

    Die schädigende Wirkung des Alkohols hält aber beim Kind länger an, als bei der Mutter, weil der noch nicht vollständig entwickelte Organismus Alkohol sehr langsam abbaut. Der Blutalkoholspiegel ist nach Konsum eine Zeit lang deutlich höher, als bei der Mutter.

    Alkohol hat beim Feten eine teratogene (fruchtschädigende) Wirkung. In hohen Dosen (tägl.>60gr.) kann es zum fetalen Alkoholsyndrom (FAS) kommen, dazu gehören Wachstumsverzögerungen, Gesichtsmissbildungen, wie Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte, Herzfehler, Funktionsstörungen des ZNS, motorische und intellektuelle Fehlentwicklungen, die zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen können.

    Es gibt aber auch bei geringem Alkohol Konsum „leichtere" Verhaltensauffälligkeiten und intellektuelle Beeinträchtigungen, die dann oft nicht auf den Alkohol Konsum in der Schwangerschaft zurückgeführt werden.

    Die Risiken des Cannabis Konsums:

    Untersuchungen zeigen, dass die Schadstoffaufnahme eines Joints, etwa der von 5 Zigaretten entspricht. Der Konsum von THC führt zu einer deutlichen Reduktion des Geburtsgewichtes.

    Es gibt nur wenige Untersuchungen, aber Hinweise, dass es später zu Verhaltensauffälligkeiten kommen kann. Diskutiert werden auch Sprach-, Gedächtnis- und Lernstörungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Risikoschwangerschaft ist erhöht, da THC die Einnisterung des Embryos in die Gebärmutter verhindern kann.

    Die Risiken des Kokains Konsums:

    Die gefäßverengende Wirkung des Kokains hat Durchblutungsstörungen der Gebärmutter und der Plazenta zur Folge. Dadurch wird das werdende Kind schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, es kann zu einer vorzeitigen Placenta Ablösung (Fehlgeburt) und vorzeitigen Wehen kommen (Frühgeburt).

    Kokain passiert die Placentaschranke und führt zu einer 4x höheren Konzentration, verglichen mit der Schwangeren.

    Es kommt gehäuft zu Missbildungen vor allem im Urogenitaltrakt (innerer Genitaltrakt) und zu Schädigungen der neuronalen Entwicklung. Postpartal zeigen die Kinder häufig Anzeichen der Neurotoxität, wie Zittrigkeit, erhöhte Irritabilität, aber auch Lethargie und erhöhtes Schlafbedürfnis.

    Die Risiken des Amphetamin und Ecstasy Konsums:

    Amphetamine bewirken einen erhöhten Gefäßtonus mit Hypertonie (erhöhter Druck; erhöhte Spannung) und Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz) und als Folge eine fetale Mangelversorgung (s. Kokain). Es besteht die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt, und eines geringeren Geburtsgewichtes. Es gibt Hinweise auf eine erhöhte Rate von Fehlbildungen.

    Die Risiken des Benzodiazepin Konsums:

    Es gibt Hinweise auf vermehrte Fehlbildungen im Bereich des Gesichtes, Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten, besonders wenn Benzodiazepine im ersten Trimenon konsumiert werden. Ebenso Herz- und Gefäßmissbildungen, und geistige Entwicklungsverzögerungen.

    Neugeborene zeigen bei Benzodiazepin Konsum der Mutter das am längsten dauernde und intensivste Entzugssyndrom (NAS) mit starkem Zittern, anhaltender Nervösität, leichter Irritierbarkeit, Blutdruckkrisen, Temperaturabfall, Erbrechen, Durchfall usw. Der Entzug von Benzodiazepinen kann länger als 6 Wochen dauern, und mit epileptischen Anfällen einhergehen.

    Text: Hans-Georg Hoffmann (Ärztlicher Leiter der Fachambulanz Kiel)

     
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