Cannabis

    Cannabis gehört zu den ältesten Nutz- und Heilpflanzen sowie Rauschmitteln.
    Zuerst wurde Hanf in China für die Herstellung von Kleidern und festen Seilen angebaut, später (ca. 2000 v.Chr.) wurde dann auch seine Bedeutung als Heilmittel entdeckt. Als Rauschmittel hat sich Cannabis zuerst innerhalb kultureller Praktiken in Indien etabliert.
    In Europa ist Cannabis erst im 19. Jahrhundert als Rauschmittel entdeckt worden und entwickelte sich seit 1970 zu der am weitesten verbreiteten illegalen Substanz unseres Planeten.

    Stofflichkeit:

    Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse. Der psychoaktive Hauptwirkstoff von Cannabis ist THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol).
    THC gehört demnach zur Gruppe der Cannabinoide.
    Der Wirkstoffgehalt kann von Pflanze zu Pflanze stark unterschiedlich sein.

    Cannabis gibt es als:

    • Marihuana: Bei Marihuana handelt es sich um klein geschnittene Blüten- und Pflanzenteile der weiblichen Hanfpflanze.
    • Der wirksame THC-Gehalt ist normalerweise etwas geringer als bei Haschisch, es werden jedoch Pflanzen mit höherem THC-Gehalt gezüchtet und in Laboren genetisch manipuliert (führt zur Erhöhung des THC-Gehalts).
    • Haschisch: Haschisch ist das gepresste Harz in Verbindung mit Pflanzenteilen der Hanfpflanze. Haschisch wird zum Beispiel mit Sand, Henna usw. gestreckt.
    • Haschischöl: Haschischöl hat einen hohen THC-Gehalt. Allerdings ist es weniger verbreitet, da die Herstellung aufwendiger und somit das Produkt sehr teuer ist.

    Cannabis ist unter anderem bekannt als Dope, Gras, Hasch, Kiffe, Pott, Shit, Platte (100g), Bobbel und Piece.

    Wirkungsdauer:

    Je nach Dosis und Stoffqualität beträgt die Wirkungsdauer geraucht 1-5 Stunden, während die Wirkung beim Verzehr bis zu 12 Stunden andauern kann.
    Abhängig ist die Wirkung auch von der Dosis, dem Reinheitsgrad und den Gewöhnungseffekten des Konsumenten. Nach dem Rauchen tritt die Wirkung innerhalb von 3-10 Minuten ein, während es beim Verzehr erst nach 0,5-2 Stunden zum Wirkungseintritt kommt.
    Gegessenes Cannabis wirkt länger und kann sich auch in der subjektiven Wirkung vom Rauchen unterscheiden. Da die Wirkung beim Essen unberechenbarer ist, solltest Du hierbei vorsichtiger sein. Einmal Cannabis gegessen oder getrunken, lässt sich die Intensität des Rausches nicht mehr steuern.

    Konsumformen:

    Cannabisprodukte können pur oder mit Tabak in "Joints" (ähnlich einer selbstgedrehten Zigarette) und Pfeifen jeglicher Art (mit Wasser: Bongs) geraucht, in Getränken gelöst (z.B. in Kakao) oder mit Essen (z.B. in Keksen oder einem Kuchen) zubereitet werden.

    Nachweiszeit:

    Da THC fettlöslich ist, setzt es sich beim Abbau im Fettgewebe des Körpers ab. Cannabis kann je nach Häufigkeit und Intensität des Konsums bis zu 3 Wochen im Blut und bis zu 3 Monate im Urin nachgewiesen werden.
    Bei seltenem unregelmäßigem Konsum ist es im Blut 12 Stunden und die Abbauprodukte 2-4 Tage nachweisbar. Im Urin ist es bei gleicher Konsumfrequenz ca. 7-10 Tage zu finden. Der Nachweis ist immer von persönlichen Komponenten des Users abhängig - z.B. seinem Stoffwechsel. In den Haaren ist die Droge theoretisch (z.B. abhängig von der Haarlänge) zeitlich unbegrenzt nachweisbar.

    Risikobedingungen:

    Positive als auch negative bereits vorhandenen Gefühle werden durch den Wirkstoff verstärkt. Wichtige Einflussfaktoren sind die Situation und Umgebung während des Konsums und natürlich die individuelle psychische Stabilität.
    Zur akuten psychischen Wirkung gehört oft eine grundlose Anhebung der Stimmungslage. Möglicherweise ist dieses heitere Gefühl verbunden mit einem gesteigerten Kommunikationsbedürfnis. Ein Gefühl der Entspannung, der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit kann eintreten.
    Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit können ebenso vermindert werden wie die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses. An akuten körperlichen Effekten können u.a. eine leichte Steigerung der Herzfrequenz, Augenrötung und Übelkeit auftreten.
    Es kommt zu einem Nebeneinander von anregenden und beruhigenden Effekten. Weiter kann es zu Veränderungen auditiver, visueller und taktiler (Berührungen) Empfindungen und des Raum- u. Zeitempfindens kommen. Euphorie mit gesteigerter Kontaktfähigkeit sowie auch eine aphrodisierende Wirkung ist möglich.
    Eine hohe Dosis führt eher zu Wahrnehmungsveränderungen und einem stark vermindertem Antrieb (man spricht hier von dem nicht zu 100% bewiesenem amotivationalen Syndrom, welches auch bei Dauerkonsumenten häufiger auftreten soll).
    Die euphorische Phase hält 1 bis 2 Std. an, anschließend tritt meist ein beruhigender Effekt in den Vordergrund.
    Cannabis wirkt muskelentspannend und appetitanregend, weshalb es auch in der Medizin eingesetzt werden könnte (Multiple Sklerose, Appetitlosigkeit und Grauer Star) bzw. schon wurde.
    Unmittelbar nach dem Konsum können Mundtrockenheit und "rote Augen" auftreten. Des Weiteren fallen Körpertemperatur und Blutdruck, die Herzfrequenz ist erhöht, der Appetit (durch gesenkten Blutzuckerspiegel) gesteigert und Schwindelgefühle und Konzentrationsprobleme können eintreten. Kleine Pupillen und Reizhusten können ebenso Folgeerscheinungen des Konsums sein.
    Weiter kann es auch zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Kreislaufproblemen, Horrorvisionen, Depersonalisationserlebnissen, Halluzinationen und Angstzuständen kommen.
    Beim Konsum von Cannabis gibt es eine geringe Toleranzbildung.
    Unter der Einwirkung von Cannabis ist die Verkehrstüchtigkeit stark beeinträchtigt, da das Reaktionsvermögen eingeschränkt wird.
    Auch bei einmaligem Konsum besteht die Möglichkeit, dass latente (verborgene) Psychosen ausgelöst werden. Eine psychische Abhängigkeit ist möglich.

    Risikobedingungen bei Dauerkonsum:

    • Beim Rauchen von Cannabisprodukten ist das Lungenkrebsrisiko stark erhöht.
    • Durch Cannabiskonsum können verborgene (latente) Psychosen ausgelöst werden (es gibt keine Cannabis-Psychose, sonst Krankheitsbild der Schizophrenie)
    • Eine psychische Abhängigkeit ist möglich!
    • Beim Konsum von Cannabisprodukten kann es zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses kommen.
    • Umstritten sind die sogenannten Flashbacks, für die es bis heute keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Ähnlich ist es mit dem amotivationalen Syndrom, welches als Folgeerscheinung des Konsums ("Abhängen") jedoch öfter zu beobachten ist.

    Mischkonsum mit Cannabis

    Cannabis und Tabak:
    Nikotin unterdrückt die THC-Wirkung, während THC die Nikotinwirkung steigert (erhöhtes Atemwegsrisiko).
    Cannabis und Ecstasy:
    Cannabis verstärkt die Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks (Kreislaufprobleme bis zur Ohnmacht möglich), später bringt Cannabis runter. Cannabis verstärkt auf sensorischer Ebene das Ecstasy, wodurch es zu einem vertieften Empfinden der entaktogenen (Berührung mit dem "Inneren") und empathischen Wirkung kommen kann.
    Cannabis und Alkohol:
    Die Wirkung von Cannabis wird durch Alkohol überdeckt (verursacht Übelkeit).
    Cannabis und Speed:
    Speed verlängert und intensiviert die euphorisierende Wirkung von Cannabis.
    Cannabis mildert die Speed-induzierte Wirkung (den Bewegungsdrang). Blutdruck und Herzfrequenz werden erhöht (Kreislaufbelastung). Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit körperlicher Schädigungen.
    Cannabis und Kokain:
    Wenn nach Cannabis Kokain konsumiert wird, kann durch den erhöhten Blutspiegel die Phase der euphorischen Gefühlsempfindungen verlängert und intensiviert werden. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, was besonders für Menschen, die Probleme mit dem Herz- und Kreislaufsystem haben, zu Problemen führen kann.

    Zusammenfassung der Wirkspektren

    Subjektiv erwünschte Wirkungen können sein:

    • Entspannung
    • unbegründete heitere Stimmung
    • Stimmungsverstärker
    • euphorische und aphrodisierende Komponente
    • medizinisch erwünschte Wirkungen
    • gesteigertes Kommunikationsbedürfnis
    • Veränderung der akustischen, visuellen und taktilen Wahrnehmung

    Subjektiv negative Wirkungen können sein:

    • erhöhtes Lungenkrebsrisiko
    • Auslösung latenter Psychosen
    • Einschränkung des Kurzzeitgedächtnisses
    • verminderter Antrieb
    • Minderung der Konzentrationsfähigkeit
    • Angstzustände und Panikattacken

    Safer Use:

    • Konsumiere nur, wenn du "gut drauf" bist und Dich wohl fühlst - Cannabis verstärkt die jeweilige Stimmung
    • Je jünger Du anfängst zu kiffen, desto größer ist die Gefahr von Schädigungen durch die Neben- und Nachwirkungen des Konsums.
    • Schaffe eine angenehme Atmosphäre und konsumiere in Gemeinschaft mit Freunden - wähle beim Erstkonsum sorgfältig die Umgebung und die Mitkonsumenten aus.
    • Stelle das "Kiffen" nicht in den Mittelpunkt, andere Dinge sind wichtiger (Freunde, Schule, Beruf, Hobbys, Sport).
    • Lass den Rauch nicht zu lange in der Lunge, inhaliere nicht zu intensiv (es ist ein Vorurteil, dass man nur so "stoned" wird).
    • Sei Dir im Klaren darüber, dass es auch gestrecktes Haschisch im Handel gibt (Streckmittel: Henna, bestimmte Öle, Baumharze, Sand etc.).
    • Besorge Dir Dein Dope nur bei guten Bekannten oder im Coffee-Shop. Minimiere das Risiko eines Strafverfahrens, indem Du nur geringe Mengen besitzt.
    • Nach dem Kiffen - Hände weg vom Steuer!
    • Bei Schizophrenie kann der Konsum zu Rückfällen führen oder den Krankheitsverlauf verschlimmern.
    • Wenn Du kiffst, benutze nach Möglichkeit einen Vaporizer oder Aktivkohlefilter.
    • In den letzten Jahren wurde vereinzelt auch Brix, Vogelsand, gemahlenes Glas, Cadmium, Quecksilber und Blei (Bleisulfid) in Cannabis (Marihuana) gefunden.

    Für die Damen:

    Chronischer Konsum kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen - und wenn Du jedes Risiko ausschließen willst, solltest Du während der Schwangerschaft auf Cannabis verzichten.
    Drogen gehen in gleicher Konzentration, wie sie im Blut der Mutter vorliegen, in die Muttermilch über. Vor allem ist das Nikotin vom Tabak in Joints äußerst zellschädigend.

    Diese Informationen sind nicht als Motivation zum Drogenkonsum gedacht.
    Sie dienen dazu die Risiken des Konsums, wenn sowieso schon konsumiert wird, zu minimieren. Gänzlich ausschließen lassen sich diese jedoch nicht.
    Diese Texte sind nach bestem Wissen zusammengetragen und entstammen der Recherche aus Büchern, Fachpublikationen und der Zusammenarbeit mit Herrn Hoffmann (Ärztlicher Leiter der Fachambulanz Kiel).
    Irrtümer können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
    Für die Nutzung dieser Informationen übernimmt das Partyprojekt- Odyssee keine Haftung.

     
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